Freitag, 15. Juni 2018

Erfolgsfaktor Unternehmenswandel

So gelingt Ihnen als Führungskraft eine nachhaltige und strategisch konsistente Corporate Transformation

Corporate Transformation ist im Grunde nichts Neues. Schließlich verbirgt sich dahinter der Unternehmenswandel, also die stetige Anpassung eines Unternehmens an sein wirtschaftliches und gesellschaftliches Umfeld. Aber selten waren die Treiber, die Unternehmen zu einer strategischen Neuorientierung zwingen, so dominant wie heute. Rakesh Thadani, Director Strategic Engagements & Advisor Relations DACH bei Wipro, und Serden Oczan, Professor und Inhaber des Lehrstuhls für Innovation und Corporate Transformation an der WHU – Otto Beisheim School of Management, zeigen im folgenden Interview die Herausforderungen für Führungskräfte während der Corporate Transformation auf und erläutern, welche Eigenschaften eine erfolgreiche Führungskraft auszeichnen.


Gibt es Unternehmen, denen die Corporate Transformation besonders gut gelingt? Kennen Sie Best Practices auf internationaler Ebene?

Rakesh Thadani (RT): Dazu fällt mir spontan Microsoft ein. Das Unternehmen hat seit 2014 mit Satya Nadella als neuem CEO eine erstaunliche Entwicklung durchlaufen. Nicht nur durch den eindeutigen Fokus auf die Entwicklung einer eigenen Cloud, die geräteunabhängig eine einheitliche Kundenoberfläche schafft, wurde ein sehr gutes Wachstum erzielt. Auch interne Umstrukturierungen hinsichtlich Abteilungen und Teams haben dem Software-Riesen gutgetan. Man merkt, dass sich die Strategie des Unternehmens gewandelt hat und nun die User-Bedürfnisse und -wünsche an erster Stelle stehen ­– selbst, wenn das bedeutet, Kompromisse mit dem ewigen Rivalen Apple einzugehen.

Welche Eigenschaften bzw. Fähigkeiten einer Führungskraft auf Top-Ebene sind bei der Corporate Transformation wichtig?

Serden Oczan (SO): Führungskräfte sollten stets wachsam sein und schnell lernen, dabei über den eigenen Tellerrand hinausblicken und sich nicht von der organisatorischen Trägheit ausbremsen lassen. Dies funktioniert nur, wenn sie eine enorme Begeisterung, Leidenschaft und ein nachhaltiges Engagement für die Ziele der Transformation zeigen.

Die zuvor genannten Eigenschaften reichen aber nicht allein für eine erfolgreiche Corporate Transformation. Der Wandel eines Unternehmens muss an der Spitze beginnen, vorgelebt werden und für alle Angestellten nachvollziehbar sein. Dabei müssen Führungskräfte den Balanceakt zwischen persönlicher Verantwortung und Engagement sowie intelligentem Delegieren leisten, um sicherzustellen, dass die strategische Ausrichtung beibehalten wird und gesetzte Ziele nicht im Alltagsgeschäft untergehen.

Im Rahmen der Corporate Transformation werden besonders die kognitiven Fähigkeiten, aber auch das strategische Verständnis des Top-Managements gefordert. Kurz gesagt, es muss wahrer Unternehmergeist gezeigt werden.

Prof. Dr. Serden Oczan

Was sind die größten Treiber der Corporate Transformation?

RT: Als größte Treiber sehe ich vor allem die Anforderung der Kunden, die sich auf einem immer höheren Niveau bewegen, aber auch Anforderungen aktueller und potenzieller Mitarbeiter. In Zukunft wird die „Ressource“ qualifizierter Mitarbeiter immer knapper werden. Bereits heute bemerkt man, wie sich das Machtverhältnis zwischen Arbeitgeber und -nehmer wandelt. Auch wird es immer schwieriger, gutes Personal zu finden und zu halten. Diese Faktoren müssen bei der Führung eines Unternehmens eine zentrale Rolle spielen, um langfristig am Markt bestehen zu können.

Die Führungsmaxime „Walk the talk“, also mit gutem Beispiel vorangehen, sollte das Handeln einer Führungskraft bestimmen.

Rakesh Thadani

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen hinsichtlich der Corporate Transformation?

RT: Leider gibt es immer noch zu viele Führungskräfte, die den aktuellen Status Quo beibehalten und sich gegenüber Neuerungen querstellen. Oft hat das mit Unsicherheit oder Angst zu tun, manchmal auch mit Bequemlichkeit. Damit wird die gesunde Weiterentwicklung eines Unternehmens ausgebremst und im schlimmsten Fall ins Negative gekehrt. Ich denke, dieser Unwille zur Veränderung liegt vor allem daran, dass sich diese Menschen durch ihre berufliche Position definieren und nicht durch ihr Können.

Gerade als Führungskraft sollte man immer die eigene und unternehmerische Optimierung und Verbesserung anstreben. Das bedeutet auch, ohne Scheu mit anderen Personen und Unternehmen zu kooperieren, um den Unternehmenserfolg zu sichern. Ich bin der Meinung, dass Kollaboration und Transparenz in Zukunft noch wichtiger werden.

SO: Eine zentrale Herausforderung für Unternehmen besteht darin, alle Bereiche der eigenen Organisation für die Ziele der Corporate Transformation langfristig zu mobilisieren. Gerade zu Beginn herrscht häufig große Unsicherheit und Angst vor den Neuerungen, da ein Unternehmen durch die Corporate Transformation von Grund auf neu aufgestellt wird. Auch wenn es Führungskräften zunächst gelingt, Begeisterung für die Corporate Transformation zu erzeugen, besteht ein hohes Risiko, dass der Prozess nach dem ersten Impuls schnell wieder ins Stocken gerät. Umso wichtiger ist die Eigenschaft einer Führungskraft, Mitarbeiter proaktiv und kontinuierlich zu motivieren und in den Prozess einzubinden, damit dieser Prozess nicht an Dynamik verliert.

Des Weiteren wird der Wandel eines Unternehmens immer wieder ausgebremst oder sogar verhindert, wenn der Fokus ausschließlich auf schnellen Gewinnen liegt. Grund dafür sind schlecht durchdachte Strategien oder „kosmetische Korrekturen“, die sich nur auf alleinstehende, inkonsistente Projekte beziehen. Um dem entgegenzuwirken, sollten Unternehmen eine übergeordnete Agenda entwickeln, deren Teilprojekte systematisch ineinander verschachtelt sind, damit sich Synergien entwickeln können.


„Life long learning“ ­– das bewahrheitet sich besonders bei den Themen Führungsverhalten und Unternehmenswandel. Um den Herausforderungen des Marktumfeldes gewachsen zu sein, sollten auch Führungskräfte ihre Unternehmensstrategie und den eigenen Führungsstil stets reflektieren. Mit modernen und inspirierenden Führungsstrategien gelingt es, das eigene Unternehmen zukunftsfähig zu machen, indem bestehende Wettbewerbsvorteile ausgebaut und neue Potenziale erschlossen werden.

Das Advanced Mangement Program der WHU bietet ein kompaktes 5-Tages-Intensivformat für erfahrene Führungskräfte im Bereich des gehobenen Managements, in dem neue Einblicke in Strategie, Führung und globale Entwicklungen der Wirtschaft vermittelt werden. In Gruppenreflexionen und Peer-to-Peer-Coachings können sich die Teilnehmenden aus unterschiedlichen Branchen in einem geschützten Umfeld austauschen und so direkten Input für das eigene Unternehmen generieren. Das englischsprachige Programm findet vom 22. bis 26. September 2018 am WHU Campus Düsseldorf statt.

Weitere Informationen & Anmeldung

 

 

links: Rakesh Thadani, Director Strategic Engagements & Advisor Relations DACH bei Wipro; rechts: Serden Oczan, Professor und Inhaber des Lehrstuhls für Innovation und Corporate Transformation an der WHU – Otto Beisheim School of Management