Freitag, 19. Januar 2018

Sicherer Umgang mit unsicheren Zeiten

Unter dem Motto „Uniting the World of Finance“ fand am 17. und 18. Januar die WHU Campus for Finance – New Year’s Conference in der Rhein-Mosel-Halle in Koblenz statt. In diesem Jahr drehte sich bei der Veranstaltung alles um die Frage, wie Finanzexperten in Zeiten großer Verunsicherung den schmalen Grat zwischen Risiko und Chance erfolgreich beschreiten können. Finanzexperten internationaler Banken und Unternehmen waren angereist, um in Vorträgen und Diskussionen aktuellen Trends, Gefahren und Möglichkeiten auf den Grund zu gehen.

In seiner Eröffnungsrede betonte Prof. Dr. Markus Rudolf, Rektor der WHU, sehr entschieden die Notwendigkeit, zu einer Politik des Miteinanders zurückzukehren und sich in Zeiten rasant wachsender nationalistischer und rassistischer Tendenzen auf gemeinsame Werte zu besinnen. Insgesamt spielte der Einfluss politischer Entscheidungen und Entwicklungen auf dem diesjährigen Campus for Finance eine große Rolle. Vor dem Hintergrund des Brexit plädierte Timotheus Höttges, CEO der Deutschen Telekom, für eine europäische Identität bei gleichzeitiger Beibehaltung individueller Stärken. Seine Antwort auf die Frage, wie Unternehmen mit der aktuellen Verunsicherung umgehen sollten war: „Stellen Sie möglichst unterschiedliche Persönlichkeiten ein und bereisen Sie die Welt, um neue Trends zu entdecken.“ Die aus einer offenen und toleranten Weltsicht entstehenden Kompetenzen seien der Motor für Innovation und ertragreiches Wagnis.

In einer von BILANZ-Herausgeber Dr. Arno Balzer moderierten Diskussion warnte Leonhard Fischer von Glencore vor der Bürokratiekrake, welche die EU mehr und mehr blockiere, und davor, den Briten den Brexit unnötig zu erschweren. Seiner Meinung nach müsse ein starkes Europa eine gemeinsame Marktpolitik unabhängig von anderen politischen Themen wie beispielsweise der Flüchtlingsproblematik betreiben. Sein Diskussionspartner Dirk Holländer, zeb, warf ein, dass für solch wichtige Entscheidungen wie einen Austritt aus der EU eine Wahl mit einfacher Mehrheit nicht ausreichen dürfe, da der akute Fall des Brexit die Bevölkerung extrem gespalten habe. Die Mehrheit der jungen Menschen im Vereinigten Königreich fühle sich von der Politik im Stich gelassen. Einig waren sich die Experten in der Einschätzung von Donald Trumps Einfluss auf die Wirtschaftslage. Bisher, so die beiden Manager, seien keine negativen Auswirkungen spürbar. Gerade in Deutschland müsse sich die Medienlandschaft davon befreien, sich von persönlichen Sympathien leiten zu lassen. „Wir sollten damit aufhören sofort zu denken, dass etwas dumm ist, nur weil Donald Trump es tut“, resümierte Fischer mit Verweis auf die Steuerreform des amerikanischen Präsidenten. Insgesamt gab die Veranstaltung den rund 500 Teilnehmern die Möglichkeit, sich umfassend über verschiedene Gesichtspunkte und Strategien in Hinblick auf die aktuelle finanzwirtschaftliche Lage zu informieren und mit Experten aus unterschiedlichen Branchen ins Gespräch zu kommen.

Die Campus for Finance – WHU New Year’s Conference ist ein international anerkannter Finanzkongress, der vollständig von Studenten der WHU – Otto Beisheim School of Management mit Unterstützung des Stiftungslehrstuhls für Finanzwirtschaft organisiert wird. Die Konferenz bietet eine Kommunikationsplattform für angesehene Akademiker, hochkarätige Politiker, führende Unternehmensvertreter und exzellente Studenten.