Freitag, 16. März 2018

Denkanstöße zur Digitalisierung

Die Digitalisierung verändert, wie Menschen leben und arbeiten. Allerdings sollten sich auch zivilgesellschaftliche Akteure stärker mit Fragen der Digitalisierung befassen. Zu diesem Ergebnis kommen die Autoren des Thesenpapiers „Denkanstöße zur Digitalisierung der Zivilgesellschaft“.

Erstellt wurde das Thesenpapier von Dr. Peter Kreutter, Direktor der Stiftung WHU, Nicole Dufft, Mitgründerin und Partner der Beratungsfirma fibonacci & friends, sowie Dr. Holger Krimmer und Patrick Gilroy von „Zivilgesellschaft in Zahlen“ (ZiviZ) im Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Sie untersuchten, wie die Digitalisierung zivilgesellschaftliche Akteure beeinflusst. Sie fanden unter anderem heraus, dass die Digitalisierung zu einem Wandel der Rahmenbedingungen zivilgesellschaftlicher Selbstorganisation führt und neben der Integration digitaler Hilfsmittel auch eine Weiterentwicklung von Organisationskultur und -struktur umfassen sollte.

Das Thesenpapier kommt zu dem Schluss, dass es großen Nachholbedarf bei der Digitalisierung der Zivilgesellschaft gibt. Dem Papier liegt eine Umfrage unter gemeinnützigen Organisationen in Deutschland (Studie "Digitalisierung in Non-Profit-Organisationen") zugrunde, bei der Dr. Peter Kreutter und Nicole Dufft schon als Mitautoren tätig waren. Diese zeigt, dass sich über zwei Drittel (71 Prozent) der befragten Organisationen künftig stark oder sehr stark von der Digitalisierung betroffen sehen.  Jeder zweite Befragte (50 Prozent) attestiert seiner Organisation Nachholbedarf: beispielsweise beim Koordinieren von Ehrenamtlichen, Fundraising über digitale Kanäle, aber auch beim Thema Wirkungsmessung und Organisationskultur. Gleichzeitig halten über zwei Drittel (70 Prozent) der Befragten die Möglichkeit für „sehr relevant“, dass sie über digitale Tools administrative Aufgaben effizienter abwickeln können, wie zum Beispiel Mitglieder- oder Spendenverwaltung.

„Es geht für soziale Organisationen um ein neues Denken, agile Formen der Planung, der Organisationssteuerung, der Umsetzung von Projekten oder der Zusammenarbeit mit Kollegen“, fasst Nicole Dufft die Ergebnisse zusammen. Dr. Peter Kreutter ergänzt: „Die Digitalisierung eröffnet gemeinnützigen Organisationen neue Gestaltungsmöglichkeiten für die Erreichung ihrer Ziele.“

Das Thesenpapier wurde im Rahmen einer Kick-Off-Veranstaltung der Förderinitiative „digital.engagiert“ von Amazon und Stifterverband veröffentlicht. „digital.engagiert“ unterstützt Projektideen, die zur Digitalisierung der Zivilgesellschaft beitragen – damit gemeinnützige Organisationen von den Möglichkeiten einer digitalen Zukunft profitieren. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Saskia Esken sagt anlässlich des Starts in Berlin: „Wir werden uns im Bundestag und in guter Zusammenarbeit mit dem Familienministerium und Ministerin Franziska Giffey dafür einsetzen, dass der digitale Wandel in Zivilgesellschaft und Ehrenamt Unterstützung erhält. Im Bundesfreiwilligendienst wollen wir mit einer neuen Variante analog zum ‚Freiwilligen Sozialen Jahr Digital‘ digitale Chancen bei den verschiedensten Einsatzstellen eröffnen.“

Seit September 2017 konnten sich Interessenten für die Teilnahme an der Förderinitiative „digital.engagiert“ bewerben. Aus 160 Einsendungen wählte eine Jury die 15 Teilnehmer aus. Diese beginnen nun damit, ihre Ideen für die Digitalisierung der Zivilgesellschaft umzusetzen.

Herzstück der Initiative ist ein praxisnahes und individualisiertes Coaching-Programm durch Experten aus Zivilgesellschaft, Digitalwirtschaft, sozialem Unternehmertum und dem Bildungssektor. Hinzu kommen Trainings zu den Themen Strategie, Geschäftsmodellentwicklung, Technische Umsetzung, IT-Infrastruktur, Marketing/Branding, Finanzen, PR/Kommunikation sowie Netzwerkpflege. Die erfolgreichsten Projekte werden am Ende des Programms von einer hochkarätigen Jury mit ausgewiesenen Experten aus Zivilgesellschaft und Digitalwirtschaft ausgezeichnet.

Weitere Neuigkeiten rund um die Förderinitiative gibt es unter www.digitalengagiert.de, das Thesenpapier „Denkanstöße zur Digitalisierung der Zivilgesellschaft“ gibt es hier.